Ermittlung der optimalen Liquiditätsfristentransformation mit dem Modell der Gleichgewichtsposition

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02. April 2019
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Kevin Schmidtko

Die Erzielung von Strukturbeiträgen aus der Fristentransformation unterliegt im Liquiditätsrisikomanagement strengeren Restriktionen als im Zinsrisikomanagement. Dies ist dem unmittelbar existenzgefährdenden Charakter des Liquiditätsrisikos geschuldet. Dennoch sollte auch der Liquiditätsmanager seine Steuerungsmaßnahmen auf eine strukturelle Zielposition mit einem risikoadäquaten Wertbeitrag ausrichten. Diese lässt sich mithilfe des dargestellten Gleichgewichtsmodells ermitteln.

Sowohl betriebswirtschaftlich als auch aufsichtsrechtlich wird das Liquiditätsrisiko mittlerweile als eigenständige, wesentliche Risikoart betrachtet und häufig separat durch das Treasury gesteuert. Insbesondere mit Beginn der Finanzmarktkrise wurde deutlich, dass Liquidität nicht unbegrenzt verfügbar ist, einen individuellen Preis besitzt und ein adäquates Liquiditätsrisikomanagement folglich einen entscheidenden Erfolgsfaktor für Kreditinstitute darstellt.

Während das klassische Liquiditätsrisiko das unmittelbar existenzgefährdende Insolvenzrisiko beschreibt, wird mit dem strukturellen Liquiditätsrisiko die Gefahr bezeichnet, dass Änderungen der Liquiditätsspreads den Erfolg des Instituts negativ beeinflussen. Dieses Liquiditätsspreadrisiko resultiert aus Fristeninkongruenzen, die Kreditinstitute aufgrund ihrer Funktion unweigerlich eingehen, und ist vorwiegend bonitätsinduziert.

Die Erzielung von Strukturbeiträgen aus fristigkeitsbedingten, marktweiten Zinsunterschieden gehört zur gängigen Praxis des Bankgeschäfts. Die Positionierung im Marktpreisrisiko erfolgt dabei zumeist sensitivitätsorientiert auf Basis der erwarteten Zinsentwicklung. Durch den Einsatz von Derivaten ließe sich die entsprechende Risikoposition jederzeit teilweise oder vollständig schließen. Bewertungsergebnisse könnten so täglich realisiert werden.

Für das Liquiditätsrisiko gilt dies nicht uneingeschränkt, da ein vergleichbarer Derivatemarkt nicht existiert. Zudem sind die Anlagemotive der Investoren und der Refinanzierungsbedarf des Instituts i. d. R. sowohl bezüglich des Volumens als auch der Laufzeit nicht deckungsgleich. Maßnahmen zur Änderung des strukturellen Liquiditätsrisikos werden erst mit einem teils deutlichen Zeitversatz wirksam; die Risikoposition ist träge. Gerade deshalb müssen aus dem Geschäftsbetrieb resultierende Strukturungleichheiten aktiv gesteuert werden. Dies gilt umso mehr für strukturelle Liquiditätsgaps mit geringerer Restlaufzeit, da diese sukzessive in das klassische Liquiditätsrisiko übergehen. 
Wenngleich das Liquiditätsrisikomanagement vorrangig der Liquiditätserhaltung dient und dadurch strengen Restriktionen unterliegt, sollte eine bewusste Positionierung auch hier mit einem Wertbeitrag für das Institut verbunden sein.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 03/2019. Die Ausgabe ist seit dem 27. März 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autor:
Kevin Schmidtko
ist Spezialist für das strategische Asset-Liability-Management der Norddeutschen Landesbank, Hannover.

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